Der gefallene Engel

Hey, du, gefallener Engel, mein trauriger Bruder, was schmollst du denn so?
Du sitzt in der Ecke, im kahl gestrichenen Zimmer, mit gepressten Lippen, mit geschlossenen Augen und brütest dein Leid.
Du glaubst dich missverstanden, ausgeschlossen, allein, na und?
Die Erde ist immer noch rund.
Es ist doch die verzeihliche Eitelkeit des Verstoßenen, zu glauben,
er hätte keine Leidgenossen.
Die Welt ist aber voll von deinesgleichen:
Politiker die ihre Jugendideale verraten haben;
Proletarier die sich mit der eigenen Machtlosigkeit mutlos abgefunden haben;
Prostituierte die die falschen Fünfziger ihrer Liebe wahllos unters Volk verteilen;
Alle die sich aufgegeben haben, die aus Mangel an Liebe vertrocknen und verbittern…
Es sind so viele…
Im Dezember Nieselregen, unter einem armseligen Bäumchen
stehen zwei ewige Clochards, Wladimir und Estragon
und warten auf den Godot.
Und auch ich gucke hinter dem Bäumchen hervor:
wir winken dir zu!
Öffne die Augen, schau durchs Fenster, mein trauriger Bruder,
lächle uns an! Wir sind für dich da!
...